Jim Webb

Neben Martin O’Malley ist Jim Webb derzeit der einzige Demokrat, der offiziell seine Kandidatur für den US-Präsidentschaftswahlkampf erforscht.

Mit einstelligen Prozentwerten in Beliebtheitsumfragen steht die Präsidentschaft aber in weiter ferne. Die große Frage ist also, warum Jim Webb so schlecht bei den Umfragen abschneidet.

Vor allem mangelt es Webb an nationaler Relevanz. Hillary Clinton z.B. war Außenministerin und ehemals First Lady neben ihrem Mann Bill Clinton. Webb dagegen war vor über 25 Jahren mal 1 Jahr lang Staatssekretär der Navy und hat 20 Jahre später den Staat Virginia als Senator auf dem Capitol Hill vertreten. 2012 hat er sich der Wiederwahl schon nicht mehr gestellt. Diese mangelnden Ambitionen einer politischen Karriere sind bedauerlich, denn Webb hätte durchaus Qualitäten, die ihm im höchsten Amt der USA von Vorteil seien könnten.

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Webb ist im politischen Spektrum eher ein Politiker der Mitte. Er hat liberale Züge, was z.B. die von Beginn an ablehnende Haltung am Irak-Krieg anging, könnte jedoch auch konservative Wähler mit seiner Militärlaufbahn begeistern.

Webb spricht immer wieder darüber, wie wichtig es ihm ist, dass sich Republikaner und Demokraten gemeinsam daran machen, die USA in die richtige Richtung zu bewegen, was ihm als Präsident auch durchaus mehr als Obama gelingen dürfte.

Webb wettet aber wahrscheinlich am ehesten darauf, dass Hillary Clinton auf die Kandidatur verzichtet und sich lieber in ihrer Rolle als Großmutter üben will. Würde Hillary wirklich dem Wahlkampf fernbleiben, hätte Webb zwar noch immer nicht die besten Chancen, wenn man seine möglichen Kontrahenten im Blick behält, aber auf jeden Fall würde es ihm dann leichter fallen, sich realistische Chancen auf die Nominierung durch die Demokratische Partei erarbeiten.

Kurzum: Hillary Clinton wäre Jim Webbs Untergang.

Webbs Chancen stehen damit alles andere als gut, wenn man bedenkt, dass jeder bereits davon ausgeht, dass Hillary Clinton antreten wird.

Die Heartland-Theorie

Artikel in gesprochener Form:


In den ersten drei Folgen dieses Podcasts haben wir uns mit den großen wirtschaftlichen Projekten der Großmächte China, Russland und der USA beschäftigt. All diese Projekte sind die außenpolitischen Flaggschiffe jener Nationen. Dass sie gerade diese Projekte als so wichtig eingestuft haben, liegt an einem einfachen geostrategischem Prinzip.

Im Jahre 1904 formulierte Sir Halford John Mackinder mit seiner Schrift „The Geographical Pivot of History“ die sogenannte Heartland-Theorie.

Die Heartland-Theorie unterteilt die Welt in die Weltinsel, welche Asien, Afrika und Europa umfasst, in die küstennahen Inseln, wie z.B. die britischen Inseln und Japan, sowie in die küstenfernen Inseln, namentlich der amerikanische Doppelkontinent und Australien.

Die Weltinsel, der wichtigste Teil des Konstrukts, unterteilt er ebenfalls noch einmal in äußere Bereiche und das Herzland. Das Herzland erstreckt sich dabei von der Wolga bis zum Jangtse und von der Arktis bis zum Himalaya.

Wegen seiner enormen Größe, seiner zentralen Lage und den riesigen Mengen an Ressourcen, wie z.B. Kohle und Gas, ist das Herzland der wichtigste Teil der Erde.

Die Nation, die das Herzland beherrscht, hat auch die Möglichkeit die Weltinsel unter ihre Kontrolle zu bringen und dadurch über fast 75% der Weltbevölkerung zu herrschen.

Da die Inseln, was Ressourcen angeht, von der Weltinsel abhängig sind, würden sie sich ebenfalls der die Weltinsel beherrschenden Macht früher oder später unterwerfen müssen.

Mackinder’s Hauptargument bei dieser Theorie ist, dass bisher einfach nicht die Möglichkeiten bestanden hätten ein so großes Gebiet wie das Herzland oder gar die Weltinsel wirklich zentral zu beherrschen, ohne die Kontrolle über einzelne Teile schnell wieder zu verlieren, manche Gebiete unterentwickelt zurücklassen zu müssen oder den Westen und den Osten im Prinzip getrennt verwalten zu müssen.

Daher hätten früher vor allem Seemächte die Welt beherrscht, da sie den Handel über See kontrollierten und dementsprechend nicht von Zöllen und Grenzen und geographischen Problemen des Transportes über Land behindert wurde.

Mit der Erfindung der Eisenbahn und der Automobile würden sich nun aber mehrere neue Möglichkeiten ergeben.

Zum einen würde tatsächlich eine Erschließung des Herzlandes möglich werden und Russland könnte den Westen und den Osten seines Gebietes verbinden, zum anderen würde mit dem Ausbau der Eisenbahn in Eurasien die gesamte Weltinsel immer unabhängiger vom Seehandel werden und die Herzland-Macht-Russland könnte eine große wirtschaftliche Bedeutung erlangen.

Russland könnte gleichzeitig in Kriegen, Truppen relativ schnell vom Westen nach Osten und umgekehrt transportieren, was dem Staat einen großen Vorteil einbringen würde, gleichzeitig würde es einer westeuropäischen Macht, wie z.B. Deutschland, möglich werden, das Herzland zu erobern.

Bis dahin war das Herzland sehr unempfindlich gegenüber Invasionen. Vom Norden her wurde es von Eis geschützt, vom Süden her vom Himalaya-Gebirge. Feldzüge von Westen nach Osten und umgekehrt mussten bald abgebrochen werden oder eroberte Gebiete brachen auseinander, da nie ein steter Fluss von Material und Männern gewährleistet werden konnte.

Mit Eisenbahn und Automobil würde nun aber eine militärische Kampagne, das Herzland zu erobern, tatsächlich möglich. Mackinder sah hier Osteuropa als natürliches Einfallstor ins Herzland. So lautete sein Merksatz auch:

Wer Osteuropa kontrolliert, kontrolliert das Herzland; 

wer das Herzland kontrolliert, kontrolliert die Weltinsel;

und wer die Weltinsel kontrolliert, kontrolliert die Welt.“

Der natürliche Kampf um eine wirtschaftliche Vormachtstellung zu dieser Zeit wäre also wahrscheinlich der eines Deutschlands, welches Osteuropa kontrollieren will, um das Herzland angreifen zu können, gegen ein Russland, welches Osteuropa als Pufferzone nutzen will und gleichzeitig versucht das Herzland zu erschließen.

Mit der Zeit wurde diese These oft diskutiert und weiterentwickelt, inspirierte aber auch viele Politiker und Strategen und formte Doktrinen und Außenpolitiken.

Einer der Inspirierten war und ist der noch heute gefragte polnische Geostratege Zbigniew Brzezinski, der als nationaler Sicherheitsberater unter Jimmy Carter arbeitete.

In seinem 1997 erschienenen Werk „The Grand Chessboard: American Primacy and it’s Geostrategic Imperatives“ beschreibt er die seiner Meinung nach beste Vorgehensweise, wie die USA im 21. Jahrhundert die einzige Supermacht bleiben und die Welt so verändern können, dass sie auch die Letzte sein werden.

Laut ihm müssten die USA es schaffen aufstrebende Gegenmächte in Eurasien so lange zu unterdrücken, bis ein ganz Eurasien umfassender Sicherheitsapparat ähnlich der NATO aufgebaut würde, in dem die USA die führende Macht wären.

In diesem Apparat würden sich Staatsstrukturen langsam auflösen und Eurasien würde in US-amerikanischer Dominanz aufgehen. Wie bei Mackinder sähen sich auch bei Brzezinski die Nicht-eurasischen Nationen gezwungen, sich der wirtschaftlich, bevölkerungs- und ressourcentechnisch überlegenen Macht anzuschließen, oder sich zumindest zu unterwerfen. Die USA würden die letzte Supermacht sein, indem sie im Prinzip einen US dominierten Weltstaat errichten würden.

Für Brzezinski ist hierbei Russland der Schlüssel. Russland erfüllt zwei Voraussetzungen, die es zum perfekten Land machen, um Eurasien zu vereinen.

Zum ersten Besitzt der was die Fläche angeht größte Staat der Welt ebenfalls einen der größten Bodenschätze der Welt und zum zweiten verbindet er die beiden wirtschaftlichen Zentren Eurasiens – Westeuropa und Ostasien – sowohl geographisch, als auch kulturell.

Wer Russland und damit im Prinzip das Herzland, beherrscht, der hat auch die Möglichkeit Eurasien zu vereinen.

Daher sieht Brzezinski auch in der Aufspaltung Russlands, in drei oder vier leichter beeinflussbare Einzelstaaten, die größte Möglichkeit der USA das Ziel eines geeinten Eurasiens zu erreichen. Er sieht allerdings auch die Gefahr eines neu erstarkten Russlands.

Dieses könnte vor allem eine Gefahr werden, würde es wieder die Ukraine unter seine Kontrolle bekommen. Dadurch würde es Zugang zu Europa bekommen und eine Pufferzone vor einer weiteren Ausdehnung der NATO an die russischen Grenzen schaffen können.

Und genau in diesem Kampf um Eurasien setzen die drei neuen wirtschaftlichen Initiativen der Großmächte an.

Russland versucht mit der Eurasischen Union zum einen das Herzland an sich zu binden und so einen mächtigen Wirtschaftsraum genau in der Mitte Eurasiens unter seiner Kontrolle zu schaffen und gleichzeitig nach Osteuropa vorzustoßen.

China versucht mit der neuen Seidenstraße die ganze Weltinsel unter seiner Vorherrschaft wirtschaftlich zu einen, indem es mit seiner enormen Wirtschaftskraft andere Nationen an sich bindet.

Die USA versuchen mit TTIP und TPP sowohl Russland als auch China gewisse Räume Eurasiens zu verweigern, wie z.B. Europa und Südostasien. Die USA wollen damit auch weiter in die Interessensräume russischer und chinesischer Konkurrenten vordringen.

Geostrategisch geht es bei all diesen Initiativen, Verträgen und Unionen also vor allem um die Vorherrschaft in Eurasien.

Wegen seiner enormen Ressourcen, der großen Wirtschaftskraft und der bloßen Tatsache, dass dort 75% der Weltbevölkerung leben, ist Eurasien der Schlüssel zur Vorherrschaft auf der ganzen Welt.

Interview mit Stefan Schwarz

In diesem Politruf-Interview spricht Stefan Schwarz über sein neues Werk „Die Grußrussin“, Porno-Karaoke und die Natur des Lachens.

Ihr aktuelles Werk wurde inspiriert von einer russischen Maskenbildnerin. Was hat sie so fasziniert an dieser Person?

Sie spielen auf die Geschichte mit der russischen Maskenbildnerin an, der die Handtasche aus dem Auto geklaut worden war, und die vor meinen Augen eine Telefonnummer anrief, worauf eine Stunde später jemand die Handtasche vorbeibrachte. Das war tatsächlich sehr inspirierend. Das organisierte Verbrechen ist eben auch nicht immer so organisiert wie wir alle denken. Die können sich auch mal vertun. Die bringen auch mal was durcheinander und erschießen den Falschen. Um mich mal – ausnahmsweise – selbst zu zitieren: „Menschen, die bereit sind, andere Leute umzubringen, (sind) nicht unbedingt auch die Menschen, die dazu in der Lage sind. Möglicherweise zieht auch das viele Geld Leute an, deren bis dato geringes Einkommen, nun ja, auch ein Stück weit berechtigt war.“ „Die Großrussin“ ist gegen diesen Mythos der alles durchdringenden, alles beherrschenden organisierten Kriminalität geschrieben.

Wie lange hat es gedauert, von der Begegnung mit dieser Person, bis zu dem fertige Roman?

Eigentlich waren es ja zwei Begegnungen, die das Buch inspiriert haben. Die andere war eine Party, bei der ich und eine wirklich außergewöhnliche große Russin zum – Kindern jetzt mal bitte die Augen zuhalten! – Porno-Karaoke ausgelost wurden. (Anders als beim richtigen Karaoke wird ein stummer Porno-Film, möglichst aus den Siebziger oder Achtzigern, also da, wo es noch richtige Handlungen gab, abgespielt und man muss mit zwei Mikros bewaffnet, das der Beiwohnung vorhergehende Gespräch improvisieren. Ist sehr lustig, aber Sie müssen das Richtige getrunken haben!) Da saßen wir beieinander und ich dachte, dass es wenig Geschriebenes über die erotische Anziehungskraft zwischen kleinen Männern und großen Frauen gibt. Kleine Männer und große Frauen haben viele Probleme gemeinsam, aber sie finden viel zu selten zusammen. Das war so 2010. Gute Themen müssen ein bisschen liegen, um Geschmack anzunehmen.

Sie haben mal gesagt, 90% von dem was wir sagen, sei nur zur Selbsttherapie. Was meinen sie damit?

Auch auf die Gefahr, wieder nicht ganz verstanden zu werden: Jedes Wort zupft unser Nervenkostüm zurecht. Mit Grund: Ihre persönlichen Stimmungen waren ja ursprünglich Signale. Alles, was Sie sagen, sollte eigentlich für Sie verwendet werden. Sprechen ist eine Selbstinszenierung, leider mit wechselndem Publikum. Das ist das Problem: Was bei Mutti herrlich funktionierte, macht Sie anderen Menschen vermutlich rätselhaft bis unangenehm.

Wenn sie einen Abend mit Allen Bennet verbringen dürften, worüber würden sie sich unterhalten wollen?

Ach, über so Zeug. Wie es so läuft und so. Was das da sein soll auf dem Kaminsims. Oder über angemessene Rhythmen des Nasenhaarschneidens. Kurz: Ich bin gerne unvorbereitet. Sonst erlebt man ja nichts.

Wie kamen sie zum Beruf des Schriftstellers?

Mir ist Geld angeboten worden. Gott sei Dank. So kam ich nicht in die Versuchung, was Ambitioniertes zu schreiben. Etwas, was ich der Welt schon immer sagen wollte, und so. Ich mag Schreiben als Auftrag. Zum Glück darf ich lustige Sachen schreiben. Humor ist eine sehr authentische, nämlich unwillkürliche Sache. Sie funktioniert ein bisschen wie Niespulver. Lachen ist ja nicht fakultativ. Lachen muss man. Wenn Sie jemals hundert Leuten was vorgelesen haben und schon drei Sätze vorher wussten, dass die gleich in Stücke springen vor Lachen, dann brauchen Sie alle sittliche Reife, die Sie aufbieten können, um sich nicht für einen gottverdammten Magier zu halten.

Was macht für sie die Essenz des Berufs des Schriftstellers aus, die sie dazu bringt immer wieder weiter zuschreiben?

Schriftsteller ist der einzige Beruf, in dem man Mittagsschlaf halten kann.

Wenn sie jetzt einem jungen Schüler begegnen würden, der Schriftsteller werden will, welchen Rat würden sie ihm mit auf den Weg geben?

Ich würde sagen: Junger Mann! Wenn Sie nicht die Eier haben, drei, vier Monate lang – und da liegen Sie noch gut in der Zeit – leere Blätter oder kleinkindhaft banale Sätze anzustarren, dann werden Sie lieber Testpilot. Aber auch, wenn es läuft, sind Sie in Gefahr. Man lernt sich beim Schreiben nämlich besser kennen, als man eigentlich möchte. Man beginnt, sich öde, peinlich oder neurotisch zu finden. Alles keine schöne Sachen. Hinzu kommt: Man wird etwas ungeduldig mit realen Abläufen. „Er hatte sich einen köstlichen Lammbraten zubereitet“ ist relativ schnell geschrieben, aber für einen echten Lammbraten brauchen Sie dann noch erheblich mehr Zeit und Geschick. Außerdem ist Schreiben sehr unkörperlich. Die meisten Schriftsteller sind gegen ihren Willen erotoman, weil sie den ganzen Tag den Hintern nicht bewegen dürfen. Überhaupt: Wenn Sie schreiben wollen, um berühmt zu werden und an die Weiber ranzukommen, bedenken Sie, dass Ruhm selten über Nacht kommt. Sie selbst und die Frauen, an die Sie ranzukommen dachten, sind dann meistens schon etwas älter. Das kann seine Reize haben, aber man sollte es vorher wissen.


 

Titelbild: Weinberg im Ort Russin in der Schweiz ©Richard Allaway

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